Tohar Haydarov ist frei

29. november 2016

Nach über sechs Jahren Haft wurde Tohar Haydarov frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Der usbekische Prediger einer Baptistengemeinde war im März 2010 fälschlicherweise wegen Drogenhandels zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden.



Am 8. November 2016 wurde Tohar Haydarov aus der Haftanstalt in der Stadt Karshi freigelassen. Der zuständige Richter hatte die bedingte Haftentlassung am Vortag angeordnet. Insgesamt sass der usbekische Christ sechs Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Nun ist er in seine Heimat in Gulistan, im Osten Usbekistans, zurückgekehrt.

Am 4. März 2010 wurde Tohar Haydarov wegen Drogenhandels zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Von Anfang an bestanden Christen aus seiner lokalen Baptistengemeinde darauf, dass der Haftgrund fabriziert sei. Gemäss der Hilfsorganisation «Release International» erfolgte die Verhaftung, nachdem Verwandte von Haydarov die Polizei gebeten hatten, ihn zu einer Rekonversion zum Islam zu zwingen. Einen Tag später wurde Haydarovs Vater tot aufgefunden. Laut offiziellen Angaben war er durch einen Stromschlag ums Leben gekommen.

Unveränderte Haltung gegenüber Protestanten

Gegenüber dem christlichen Nachrichtenportal «Forum18» erklärte ein Sprecher der Baptistenkirche, dass Tohar Haydarovs Freilassung keineswegs eine veränderte Praxis der usbekischen Regierung gegenüber protestantischen Christen bedeute. Deren Haltung sei immer noch dieselbe. «Es ist daher möglich, dass Tohar erneut in Schwierigkeiten geraten könnte. Wir werden weiterhin für ihn beten.»

Auch der Baptist Andrey Serin ist besorgt. Haydarov sei bei seiner Freilassung gewarnt worden, keine «Probleme» zu machen, damit er nicht erneut inhaftiert werde.

Repressive Diktatur

In Usbekistan herrscht eine der strengsten Diktaturen Zentralasiens. Jede Form von Opposition oder Abweichung der Norm wird unterdrückt. Das Christentum wird als ein ausländischer und destabilisierender Faktor angesehen. Christliche Konvertiten mit einem islamischen Hintergrund bekommen den sozialen Druck ganz besonders zu spüren.  f18/wwm

 

Reto Baliarda

 

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