Den Glauben nie aufgegeben

12. szeptember 2016

Die sechsfache Mutter Lucy wollte für ihre Familie Essen besorgen, als sie Boko-Haram-Kämpfern in die Hände fiel. Im selbst ausgerufenen Kalifat in der Stadt Gwoza fastete und betete sie fünf Tage lang. Einige Wochen später gelang ihr die Flucht, auch dank der Hilfe einer älteren Frau. Sie erzählt:



«Unser Dorf Bazza wurde im August 2014 von Boko-Haram-Terroristen überfallen. Wir hatten Glück, dass wir damals rechtzeitig in die Berge fliehen konnten. Fünf Tage lang blieben wir dort oben und überlegten uns, wie es weitergehen sollte. Danach ging ich mit meinem Mann und den sechs Kindern ins Dorf Kankera und lebte dort einen Monat in relativer Ruhe. Doch da uns langsam die Vorräte ausgingen und die Temperaturen im Herbst stetig sanken, machte ich mich auf, um in unserem überfallenen Heimatdorf Essen und Jacken zu holen.

Auf dem Rückweg verschleppt

Unser Haus war praktisch nicht geplündert worden. So fand ich dort Nahrungsmittel und Jacken. Kaum hatte ich mich aus dem Dorf geschlichen, wurde ich von Boko-Haram-Kämpfern überrascht und gefangen genommen. Sie wollten aus mir herauspressen, wo mein Mann war. Doch ich verriet seinen Aufenthaltsort nicht. Ich wusste auch nicht, woher ich den Mut hatte, mich ihren Aufforderungen zu widersetzen, den Islam als Religion anzunehmen.

Leben im Kalifat

Natürlich gefiel das diesen Dschihadisten überhaupt nicht. Und als sie das Kreuz an meiner Halskette fanden, rissen sie es ab und verbrannten es. Dann teilten sie mir mit, dass sie mich in ihr «Kalifat» in die Stadt Gwoza (Bundesstaat Borno) bringen würden. Dort würde man mich schon dazu bringen, dem Christentum abzuschwören.

Ich wurde mit zwei anderen Frauen nach Gwoza gebracht. Dort trafen wir viele weitere Frauen und Kinder, die von den Extremisten verschleppt worden waren. Ich ermutigte die beiden Frauen, die mit mir angekommen waren, nicht zum Islam zu konvertieren. Gemeinsam beteten und fasteten wir fünf Tage lang ununterbrochen.

Geglückte Flucht dank ortskundiger Frau

Mir war von Anfang an klar, dass ich so rasch wie möglich fliehen würde. Nach den fünf Gebetstagen konnte ich meine Freundinnen am nächsten Tag überzeugen, mit mir zu fliehen. Wir warteten, bis es Nacht wurde, und rissen aus. Doch leider wurden wir kurz darauf von Boko-Haram-Anhängern aufgegriffen. Nun brachten sie uns nach Madagali. Dort drohten uns andere Dschihadisten, uns zu heiraten. Da wir standhaft blieben, wollten sie uns damit Furcht einjagen, dass sie uns zu Sklaven ihrer Frauen machen würden. Doch auch hier zeigten wir uns unbeeindruckt, auch wenn uns in Wirklichkeit angst und bange war. Wir fingen wieder an, zu beten und zu fasten.

Ich selbst kannte mich in der Region um Madagali überhaupt nicht aus. Doch ich war wieder voller Hoffnung, als ich eine ältere Frau aus dieser Gegend kennen lernte, die ebenfalls entführt worden war. Ich fragte sie, ob sie den Weg von hier zu ihrem Dorf finden würde, worauf sie nickte. Ich offenbarte ihr unseren Fluchtplan. Sogleich erklärte sie sich bereit, uns zu ihrem Dorf zu führen, falls die Flucht klappen würde.

Am 7. Januar 2015 kletterten wir die Mauern hoch und überwanden diese. Drei Mädchen hatten sich uns angeschlossen. Die ältere Frau führte uns durch das unwirtliche Berggebiet. Wir marschierten die ganze Nacht bis zum nächsten Morgen. Schon im Morgengrauen erreichten wir das Dorf Ngoshe Sama, das ausserhalb der Reichweite von Boko Haram war, weil die Armee dort stationiert war. Wir waren tatsächlich frei! Die Dorfbewohner waren sehr hilfsbereit. Sie brachten uns zum Pfarrer, der uns verpflegte. Sie selbst schenkten uns Kleider.

Drei Monate blieben wir geflüchtete Frauen in Ngoshe Sama. Wir dankten Gott, dass er uns aus den Fesseln von Boko Haram befreit hatte.

Familie wiedergefunden

Immer mehr Menschen aus den befreiten Dörfern schlossen sich der Armee an oder meldeten sich freiwillig als Wachmänner. Nach einiger Zeit erkannte ich einen Wachmann aus unserem Dorf. Mir fiel ein Stein vom Herzen, als er mir mitteilte, dass meine Familie wohlauf sei und unser Dorf Bazza ebenfalls befreit war. So bat ich das Militär, mich nach Hause zu bringen.

Überglücklich schloss ich meine Familie in meine Arme. Auch wenn die Dschihadisten in der Zwischenzeit unser Haus zerstört hatten, blicken wir nun mit Glauben und Zuversicht in die Zukunft.»

Reto Baliarda

Weiterer Bericht:
Vier Monate gefangen in der Höhle des Bösen

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