Aleppo: CSI bringt Hilfe in die zerstörte Stadt

25. november 2016

Im Juli 2016 haben sich die Kämpfe um Aleppo intensiviert. Seit Monaten verfolgen uns schlimme Bilder. CSI reiste im Herbst 2016 nach Aleppo, um Hilfe zu bringen – zu einer Bevölkerung, die im Konflikt vergessen geht.



Als eine der ältesten ununterbrochen bewohnten Städte der Welt war Aleppo lange stolz darauf, eines der wichtigsten wirtschaftlichen und kulturellen Zentren der Region zu sein.

Seit Sommer 2012 versinkt Aleppo im Syrien-Konflikt. Radikale sunnitische Rebellen – unter ihnen auch solche, die westliche Regierungen als «moderat» bezeichnen – unterwanderten und besetzten den östlichen Teil der multikulturellen Stadt. Der westliche Teil Aleppos wird dagegen weiterhin von der syrischen Regierung kontrolliert. Im Juli 2016 startete die syrische Armee mit russischer Luftunterstützung eine Offensive gegen die Rebellen. Aleppo wurde zum Symbol des Kampfes um die Kontrolle im ganzen Land.

11-stündige Fahrt durch Wüste und Ruinen

Mitten in der Offensive, Anfang September 2016, reiste CSI-Projektleiter John Eibner erstmals nach Aleppo. Aus Sicherheitsgründen, um weniger aufzufallen, zog er einen öffentlichen Bus dem Privatfahrzeug vor. Begleitet von syrischen Projektpartnern, war John Eibner war der einzige Ausländer im Bus – die einst beliebte Reisedestination ist für Touristen heute zu gefährlich. Die Reise von Tartus nach Aleppo dauerte wegen der vielen Umwege um Gebiete der islamistischen Rebellen und wegen vieler Checkpoints ganze 11 Stunden. Sie führte mitten durch verlassene Dörfer und Industriezonen. «Der seit fünf Jahren andauernde Krieg hat aus dem einst so schönen Land vielerorts eine Ruine, ja, einen Friedhof gemacht», stellte John Eibner fest.

Auch West-Aleppo vom Krieg betroffen

Viele Medien berichten nur vom umkämpften Ostteil Aleppos. Doch auch in West-Aleppo fordert der Krieg seinen Tribut. Der Beschuss der Islamisten führt täglich zu Toten. Während Ost-Aleppo wie alle Gebiete unter Rebellenkontrolle religiös gesäubert ist (siehe Kasten), leben in West-Aleppo bis heute Angehörige aller religiösen Gruppierungen weitgehend harmonisch zusammen. Man bemüht sich um so etwas wie Normalität. Die armenische Kirche in Aleppo unterhält zum Beispiel ein Restaurant mit einem gedeckten Innenhof, wo die Kinder ungehindert spielen können.

CSI finanziert lokale Hilfsprojekte

Die von westlichen Regierungen unterstützten sogenannten NGOs sind nur in den religiös gesäuberten Gebieten der Islamisten aktiv. Deshalb sind zivilgesellschaftliche Projekte – etwa der Kirchen – in West-Aleppo besonders wichtig. CSI kann dank Ihren Spenden die Arbeit der Jesuiten unterstützen. «Zahlreiche Bewohner leben in zerstörten Häusern. Sie haben keine Küche mehr und können deshalb mit Lebensmittelpaketen nicht viel anfangen», berichtet John Eibner. «Die Jesuiten leisten hier einen sehr wichtigen Dienst: Sie kochen für diese Leute täglich Mahlzeiten.» Ein anderes Beispiel ist Dr. Nabil Antaki, der mit dem Orden der Maristen-Schulbrüder Kriegsverletzte gratis behandelt.

Die Christen in West-Aleppo arbeiten über alle Konfessionsgrenzen hinweg zusammen, um den Binnenflüchtlingen und Verwundeten ungeachtet ihrer Religion zu helfen. Sie bemühen sich, die christliche Präsenz in einem vielfältigen Aleppo zu bewahren. «Es macht demütig, dieses Privileg, an der Front dieses entsetzlichen Krieges zu stehen und gegenüber den stark bedrängten Christen seine Solidarität auszudrücken. Wir sind auch mit allen anderen verbunden, die in Frieden und Würde in einem religiös vielfältigen Syrien leben möchten», erzählt John Eibner.

Hélène Rey

 


 

Die Schlacht gegen religiöse Vielfalt

Die syrische Revolution wurde sehr früh von sunnitischen Extremisten vereinnahmt, die nicht nur das Regime, sondern auch den religiösen Pluralismus abschaffen wollen, der vor dem Krieg in Syrien existierte. Zu diesen Rebellen gehören neben dem Islamischen Staat zahlreiche Milizen, die von den westlichen Regierungen als «moderat» bezeichnet werden. In ihren Gebieten dürfen Frauen das Haus nur noch verhüllt verlassen, religiöse Minderheiten werden unterdrückt und vertrieben.

Auf seiner Reise berichteten Syrer John Eibner über die Situation der Christen im Orontes-Tal (in Nordwest-Syrien), das der vom Westen unterstützte islamistische Rebellenverband Jaish al-Fatah kontrolliert. «Seit das Gebiet in die Hände der Rebellen gefallen ist, mussten alle Kreuze und Glocken sowie die Heiligenbilder und Figuren entfernt werden. Jegliche christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchen – etwa eine Prozession – sind verboten. Es wird alles getan, um die Situation für die Christen unerträglich zu machen.»

 


 

Medien berichten über CSI-Arbeit

Im Tages-Anzeiger erschien ein Bericht über die CSI-Syrienreise. Sie finden den Link zum Tagi-Artikel und viele weitere Links zu Artikeln über CSI unter:

CSI in den Medien

 

Weiterer Bericht

CSI besucht vertriebene Menschen in Syrien

Szíria Projekt